Zehn Jahre Sportinternat Münster: Von der DJK-Sportschule ins Lettische Centrum

Eingang Sportinternat Münster

Zehn Jahre alt und noch immer ganz jung ist das Sportinternat Münster. Im November 2008 beschloss der Rat der Stadt Münster, die Mittel freizumachen für den Umzug des seit 2007 in der DJK-Sportschule beheimateten und hier noch kleinen Sportinternats in einen Gebäudetrakt des Lettischen Centrums Münster.

Anfang 2010 waren die Umbauarbeiten an der Salzmannstraße beendet – und das Signal für den erwünschten Vollbetrieb gesetzt. 28 Zimmer sind hier maximal zu belegen. Räumlich lässt sich ein Bereich als WG einrichten. In eine solche dürfen, wenn der Wunsch geäußert wird, die älteren Jugendlichen ziehen.

Der wiederbelebte Förderverein

Der Träger der Einrichtung ist der münsterische Verein zur Förderung des Leistungssports. Den ins Leben riefen engagierte Verantwortliche Mitte der 1980er Jahre, um Spitzensportler aus unserer Stadt zu unterstützen. Eine Sparkassen-Spende in Höhe von 100 000 DM bildete das finanzielle Fundament.

Mit Hans-Joachim Hangstein (1924 – 1994), dem Direktor der Halle Münsterland und Präsidenten des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), führte eine Persönlichkeit den Verein. Mit Dr. Reiner Klimke (1936 – 1999) stand einer der größten Sportler Münsters, noch immer der siegreichste Dressurreiter der Welt, ebenfalls an dessen Spitze.  

Wiederbelebt und aktiviert wurde der Verein erst in den 1990er Jahren. Und trat im Zuge des späteren Ideenentwurfs auf den Plan, talententierten jungen Volleyballerinnen den Wechsel zum oder den Verbleib im USC Münster zu ermöglichen. Der Clubchef des Volleyball-Bundesligisten, Matthias Fell, machte sich für diese Chance stark. Fell war seit 1999 als Vorsitzender des Arbeitskreises Leistungssport und Vorstandsmitglied im Stadtsportbund Münster (SSB) bestens vernetzt.

Start mit fünf Volleyballerinnen

Da sich die neue Führung der Halle Münsterland nicht mehr der Fortführung des Vereins widmen wollte, votierte ein Kreis von Ehrenamtlichen um den SSB-Vorsitzenden Prof. Günter Willmann (bis April 2010 im Amt) dafür, dass der SSB den Verein geschäftsführend unterstützen sollte. Dem von Bürgermeister Günter Schulze Blasum, dem Sportausschuss-Vorsitzenden, seit 1994 geführten Verein arbeitete in der Folge der SSB durch Geschäftsführer Dietmar Wiese zu. 2007 startete der Verein, dessen stellvertretender Vorsitzende Matthias Fell war, eine öffentliche Mitgliederwerbung.

In dem Jahr lebten fünf USC-Volleyballerinnen im DJK-Bildungs- und Sportzentrum „Kardinal-von-Galen“ e.V. an der Grevener Straße. Ines Bathen, Anna Hoya, Rebecca Schäperklaus, Sina Fuchs und Kim Behrens waren die ersten Bewohnerinnen.

2008 kamen Lena Malkus, Carina Schöckel und Marcel Dünnbier, allesamt in der Leichtathletik aktiv, und Volleyballerin Corinna Mommert hinzu. Der junge Mann musste freilich im Studentenwohnheim nächtigen. Noch ein Jahr später folgte der Einzug von Lea Adolph und Marlene Möller – und die Enge des Raumes wurde immer offensichtlicher. Lea Adolph teilte sich zum Beispiel ein Zimmer mit Sina Fuchs.

Die Suche nach einem neuen wie größeren Internat-Standort war zu der Zeit längst im Gange. Nach etlichen Diskussionen auf der politischen Entscheidungsebene folgte im November 2008 der Beschluss des Rates der Stadt zum Umzug in einen Trakt des Lettischen Centrums. Verworfen oder überstimmt wurden andere Ideen wie etwa die eines Anbaus an die DJK-Sportschule oder die eines Neubaus unter der Regie des Studierendenwerks. Der Rat machte Mittel für den Umbau in Höhe von 550.000 Euro frei.

Umzug mit Verzögerung

Die Partnerschule Pascal-Gymnasium, die bereits seit 2005 den Titel „Sportbetonte Schule“ trug und dessen Inhalte umsetzte, wurde im Juni 2008 offizielle eine NRW-Sportschule. Und diese Aufwertung beinhaltete den Betrieb eines angeschlossenen Internats. Im Juni 2009 bekam der USC Münster den Zuschlag für den Standort als „Volleyball-Bundesstützpunkt, weiblich Nachwuchs“ (BSP-N). Damit war eine Vorausetzung für den Zuzug junger Talente gegeben.

Mit Verzögerung wurden an der Salzmannstraße die Zimmer frei, aber Anfang 2010 war es soweit. Zehn Sportlerinnen und mit Fußballer Michael Elsing ein einziger Sportler lebten sich dort ein. Bei einem Tag der offenen Tür zeigte sich das Internat im Juli 2010 der interessierten Öffentlichkeit. Bekannt wurde hier auch, dass insgesamt 24 Internatsplätze zum Folgeschuljahr belegt sein würden.  

Ganz schnell etabliert

Seit dem Beschluss von März 2009 war der Verein zur Förderung des Leistungssports bereits Träger der Einrichtung. Und übernahm auch die Geschäftsführung. Dass zum Beispiel der Haushaltsplan für 2015 einen Etat von 411.000 Euro für das Internat aufführte, zeigte deutlich, wie schnell sich die Einrichtung etablierte. Und wie schnell zugleich die an sie gestellten Aufgaben wachsen. Internatsleiterin Ruth Funk, als junge Athletin einst im Rudersport und Volleyball aktiv, führte mit der Zeit ein siebenköpfiges Team. An Ferientagen und Wochenenden sind Studierende im Einsatz und garantieren die erforderliche Betreuungsqualität.

Jugendliche aus den Sportarten Volleyball und Basketball, Fußball, Boxen, Taekwondo, aus der Leichtathletik und dem Rudersport sammelten und sammeln sich im Internat. Der Werdegang vieler aktueller und ehemaliger Asse dokumentiert sowohl persönliche als auch mannschaftliche Erfolge.

Karin Reismann an der Spitze

Im Verein zur Förderung des Leistungssports gab es 2014 den Wechsel an der Spitze. Bürgermeisterin Karin Reismann, zuvor stellvertretende Vorsitzende, wurde von der Mitgliederversammlung als Nachfolgerin von Günter Schulze Blasum gewählt. Der damals 75 Jahre alte erfahrene Kommunalpolitiker stellte sich nach über zehn Jahren nicht mehr zur Wahl.

„Ich fühle mich fit und beteilige mich auch künftig gerne“, machte Schulze Blasum den Weg frei für die folgende Wahl zum Ehrenvorsitzenden mit Sitz und Stimme im Vorstand. Der bisherige Beisitzer Dietmar Wiese, Geschäftsführer des Stadtsportbundes Münster, kandidierte nicht mehr. Geschäftsführer blieb Uwe Peppenhorst. Bei der Wahl im Mai 2016 rückte Peter Bochnia, Vorstandsmitglied Vertrieb der LVM-Versicherungen, als neuer 2. Vorsitzender für Ludger Tovar in den ansonsten unveränderten Vorstand.

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