Auch im Spiel darf er nicht nur auf den Ball schauen. Blicke zum Mit- und Gegenspieler sind ein Muss. In diesen Wochen schärft der 20 Jahre alte Basketballspieler Adam Touray, ansonsten gerne fokussiert auf seinen Lieblingssport, die Sinne als Praktikant im Sportinternat. Der Center des Erstregionalligateams des UBC Münster taucht ein in den Alltag einer münsterischen Institution.
„Ich hab' direkt ja gesagt, als mir diese Chance eröffnet wurde“, erzählte uns der 2,09 m lange Mauritzer, der auf der Schwelle steht zum Sprung in den höherklassigen Sport. Beim UBC, der auch dank Touray als Spitzenreiter in die kleine Weihnachtspause gegangen ist und zuletzt erstmals seit Jahren wieder rund 500 Fans zu Heimspielen anzog, absolviert er in dieser Saison außerhalb des Sportbetriebs ein Praktikum, das nun zwei Mal pro Woche durch den Aufenthalt im Internat unterbrochen wird. Besser gesagt, ergänzt.
Integriert in die Abläufe
An der Salzmannstraße ist Adam gemäß seiner zeitlichen Möglichkeiten integriert in die Abläufe. Er hilft, wo er gebraucht wird und schreckt auch vor Küchendienst nicht zurück. Kein Nachteil ist, dass er sein Fach-Abi im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen gemacht hat. Ein Vorteil ist, dass er den Hang zum Leistungssport mit allen Internatsbewohnerinnen und -bewohnern teilt.
Auch die Trainingsbelastung der jungen Asse ist ihm aus persönlicher Erfahrung geläufig. Neben dem Mannschaftstraining unter Coach Philipp Kappenstein stehen zwei Mal pro Woche Individualeinheiten am Vormittag auf dem Plan, dazu zwei Einheiten im Kraftraum. „Ich muss und will viel tun, denn ich kann mich noch in allen Bereichen verbessern“, weiß er selbst, dass er sich mit belegbaren Fortschritten in dieser Saison nicht zufrieden geben darf. „Ich muss körperlich stärker werden und meinen Wurf verbessern.“ In der Liga gilt es, auch gegen direkten Druck die Reuse sicher ansteuern zu müssen. Oftmals sieht sich Adam Touray deutlich älteren und deutlich abgezockteren Gegenspielern gegenüber. Und lernt dadurch.
In allen 15 Saisonspielen wirkte er mit, im Schnitt machte er 9,3 Punkte pro Partie und ist damit fünftbester Schütze des großen Kaders. In der Reboundstatistik liegen teamintern nur US-Boy Dallis Johnson und Jan König vor ihm. Bei den Offensiv-Rebounds hat alleine Johnson bessere Werte aufzuweisen. „Ich habe einen Schritt nach vorne getan“, stellt er ohne Überschwang fest, was alle UBC-Interessierten live erleben durften.
Ab Mitte 2015 "gerne höherklassig"
Als Knirps spielte er für die damalige Germania in Mauritz Fußball, aber der schnell Wachsende bekam über den Schulsport den besseren Draht zum Basketball. Zehn Jahre ist das bald her. Ohne Umschweife erläutert Adam seinen eigenen Traum: „Nach dieser Saison würde ich gerne höherklassig spielen.“ UBC-Fachleute helfen und beraten ihn bei der Suche nach der richtigen nächsten Adresse. In Jena hat sich Adam schon mal umgesehen „und wenigstens einen kleinen Eindruck bekommen von dem, was in einem Profiverein so los ist.“
Bei der Wahl seines künftigen Standorts ist ihm die Unterstützung seiner Mutter Renate Ullrich sicher. „Ich will es probieren, den Ehrgeiz dazu habe ich“, möchte Adam Touray eines partout vermeiden: Sich in ein paar Jahren darüber ärgern, nicht wenigstens den Versuch unternommen zu haben, die eigenen Chancen auszuloten.